Bar Mizwa

 

Die Jungen im Hostel Minster Road waren 1939 12 oder 13 Jahre alt. Mit ihrem 13. Geburtstag wurden sie Bar Mizwa (hebräisch für ‚Sohn der Pflicht‘), ein wichtiges Datum im Judentum, das für Jungen den Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein markiert: Zum ersten Mal wird der Jugendliche am Schabbat nach seinem 13. Geburtstag zur Toralesung aufgerufen. Zuhause wäre das ein großes Familienfest mit einem feierlichen Gottesdienst in der Synagoge, Gästen und Geschenken gewesen – doch nun kümmerten sich Fremde. Paul Katz erinnert sich an diesen Tag mit Trauer:

 

gulliemots  Ich wurde Bar Mizwa, als ich noch im Hostel lebte. Alles wurde arrangiert. An diesem Tag ging ich zur Synagoge, las meinen Text ohne Fehler zu machen, und nachher gab es einen Empfang bei einem Mitglied des Komitees, das uns betreute. Ich fühlte mich sehr verloren und konnte nur denken, meine Familie sollte heute hier sein. Ich dachte mehr an meine Familie als an irgendetwas anderes. Am Nachmittag gab es eine Party im Hostel … und ich wurde von einem Mitglied des Komitees mit einem neuen Anzug und mit einer kurzen und einer langen Hose ausgestattet, es waren noch die Tage der kurzen Hosen. Dr. Seligsohn riet mir, wenn ich nach einem Geschenk gefragt würde, sollte ich um eine Uhr bitten. … Ich bekam die Uhr, eine Uhr und einen Anzug, und natürlich viele, viele Briefe von meinen Eltern und Brüdern und Verwandten.

Shimon Ben-Yehuda (Paul Katz) 1998 *

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* Shoah Foundation Visual History Archive, Nr. 44598: Interview mit Shimon Ben-Yehuda (früher: Paul Katz) 1998 in Sheffield, GB. (Übersetzung: Cordula Lissner.)

Brief von Fritz Penas an seine Eltern

Paul Katz (rechts) im Hostel Minster Road 1 mit seinen Klassenkameraden und den Hostel-Eltern
Gerda und Rudolf Seligsohn (1939). Foto: Privatbesitz Familie Marchand.

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