Letzte Lebenszeichen

 

Charles Hannam (Karl Hirschland) erinnert sich mit Trauer an die letzten Briefe seines Vaters:

 

gulliemots  Mein Vater hieß Max Hirschland. Meine Mutter war schon tot, sie ist früh gestorben. Ich habe es irgendwie wahrscheinlich im Unbewussten meinem Vater übel genommen, dass ich weg musste. Ein Vater ist ein mächtiger Mann, nicht? Er kann einen schützen. Dann bestieg ich den Zug, heute weiß ich, dass niemand schreien oder weinen durfte, weil sie sonst das Kind rausgezogen hätten. Und deshalb sagte er sehr ruhig: ‚Wiedersehen’. Im Englischen sagen wir: with a stiff upper lip. Das habe ich meinem Vater sehr übel genommen. Ich habe auch die Briefe nicht beantwortet, andauernd hat er geschrieben. Ich habe lange gebraucht, um die gute Seite von Allem zu sehen.

Charles Hannam 2010 *

 

Max Hirschland, geboren am 10. Juli 1881, wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er 1944 starb.
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* Interview Projektgruppe Kindertransporte mit Charles Hannam (früher: Karl Hirschland) in Devon, Großbritannien, 2010.

Max Hirschland. Foto: Privatbesitz Familie Hannam.

Foto oben: Die Glückwünsche zum bevorstehenden jüdischen Neujahrsfest gehören zu den letzten Nachrichten, die Max Hirschland aus Essen an seine Kinder in England schicken konnte. Dokument: Privatbesitz Familie Hannam.

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